Feel free to be true

Wir reden uns gerne ein, frei zu sein. Aber wie häufig schränken wir uns selber ein? Dadurch, eine bestimmte Vorstellung davon zu haben, welche Erwartungen andere in uns haben.

Ob optisch oder charakterlich, auch wenn wir im 21. Jahrhundert leben, die auf uns Frauen einprasselnde Flut an “Vorgaben“, wie wir auszusehen und zu sein haben, ist enorm. Erdrückend. Beängstigend. Und auch verwirrend. Heute müssen wir Frauen heilige Hure, begeisterte und begabte Köchin, perfekte Organisatorin, beruflich erfolgreich, sportlich aktiv, politisch interessiert, nach Spontanentbindung dreier Kinder immer noch in Größe 36 passend und bitte immer entspannt lächelnd gut drauf sein. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Im Optimalfall menstruieren wir auch nicht, bleiben an Achseln, Beinen und Scham haarlos und haben auch keine Verdauung.

Die Medien vermitteln uns, dass dies absolut möglich ist. Mit genug Disziplin, einem Schlafbedürfnis von maximal 3 Stunden pro Nacht und regelmäßigem Konsum von Aufputschmitteln, selbstverständlich.

Wie frei sind wir also wirklich, wenn wir selbst im Jahr 2018 immer noch zu hören kriegen, dass Frauen nicht attraktiv sind, wenn sie Achselhaare oder eine Konfektionsgröße aufwärts von 36 haben? Wenn es nach wie vor heißt, Frauen wären “das schwächere Geschlecht“?

Am schlimmsten finde ich persönlich bei all den Debatten darum, wie “Frau zu sein hat“, dass nicht nur Männer versuchen, uns in Schubladen zu pressen, sondern wir Frauen uns gegenseitig bekriegen.

Wir sind unehrlich zueinander. Das habe ich leider sehr häufig feststellen müssen, insbesondere, nachdem ich Mutter geworden bin. Ich wollte ehrlich mit anderen Müttern über all meine Verzweiflung sprechen, die die neue Rolle mit sich brachte, die Hilflosigkeit, die ständige Übermüdung, wunde Brustwarzen, wann der Wochenfluss endlich aufhört, wie schwer es war, mich mit meinem neuen Körper anzufreunden und so einiges mehr.

Und ich wusste, ich konnte doch damit nicht alleine sein. Aber im Großen und Ganzen war der Tenor “Ja, es ist schon anstrengend, aber Muttersein ist wirklich immer und jeden Tag das tollste Gefühl der Welt.“ WTF, Lady, wen willst du denn verarschen? Du trittst fast auf deine Augenringe und hast mindestens 6 Tage nicht geduscht, dein Essen besteht aus kalt gewordenen Mikrowellengerichten und dann sagst du mir, du strahlst vor Mutterglück? Bitch, please…

Wie gesagt, das soll nur ein Beispiel dafür sein, dass wir Frauen uns mitunter selbst und gegenseitig das Leben schwer machen. Statt uns zu unterstützen und offen zueinander zu sein. Aus Angst, dass wir nicht die Frau sind, die die Gesellschaft erwartet.

Um keine Angst mehr vor den Erwartungen anderer zu haben, ist es vor allem wichtig, uns selber kennen und LIEBEN zu lernen. Mit unseren Ecken und Kanten, mit unseren Rundungen, Narben, Schwächen. Wir müssen lernen, liebevoll und achtsam mit uns umzugehen. Wir müssen uns auch mal verzeihen können. Wir müssen uns frei machen von zu hohen Erwartungen an uns selber und uns klar machen, wo unsere Prioritäten liegen.

Meine Priorität an diesem Samstag liegt jetzt darin, mich ganz entspannt auf die Couch zu kuscheln und dem Abwasch den Mittelfinger zu zeigen. Und was immer du heute tun möchtest, tu es und genieß es!

 

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