Get intouch

Gestern schon sprach ich über mehr Ehrlichkeit und Offenheit im Umgang untereinander. Diese Ehrlichkeit bezieht sich natürlich auch auf unsere Partner*innen. Nicht nur wir Frauen untereinander sollten ehrlicher zueinander sein, Ehrlichkeit und Offenheit ist m.E. einer der Grundpfeiler einer jeden Beziehung. Und diese Ehrlichkeit sollte nicht vor der Schlafzimmertür Halt machen. Gerade dort ist sie essentiell, um erfüllenden, lustvollen und sinnlichen Sex zu genießen.

 

Um offen in meiner Beziehung sein zu können, muss ich aber zunächst einmal offen mir gegenüber sein und mich trauen, mich zu erforschen. Nur wenn ich selber frei von Hemmungen im Umgang mit mir selber bin, kann ich mich vollkommen entspannt meinem Partner/meiner Partnerin hingeben.

 

Das ist mitunter ein langer Weg, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. In der Schule werden uns wesentliche anatomische Begriffe gelehrt, dass Sex ohne Verhütung verheerende Konsequenzen haben kann und ggf. noch wie blutig und schmerzhaft eine Geburt ist. That’s it, your free to fuck now.

 

Das die Klitoris nicht nur der kleine Knubbel oben ist, wo die großen Schamlippen sich treffen, sondern ein weitaus größeres “Gebilde“ ist, habe ich z.B. erst erfahren, als ich schon 30 war. Frauen machen sich auch jenseits der Anfang 20 noch Gedanken darüber, was mit ihnen nicht stimmt, wenn sie beim Sex nicht zum Orgasmus kommen. Das ist so traurig.

 

Tatsächlich ist es ein eher seltenes Phänomen, dass eine Frau alleine durch die Penetration des Mannes zum Orgasmus kommt. Die allermeisten Frauen benötigen für einen Orgasmus die Stimulation der Klitoris. Und auch hier gehen die Bedürfnisse stark auseinander. Manch eine bevorzugt Reibung, eine andere mag lieber Druck, wieder eine andere kommt nur, wenn an der Klit gesaugt wird. Oder, oder, oder.

 

Eine andere Möglichkeit, große Lust bis zum Orgasmus zu erlangen, ist der G-Punkt. Bis ich Anfang 30 war, hielt ich diesen für einen Mythos. Letztlich hat mir mein Partner mehr über mich und meine Lust beigebracht, als ich all die Zeit davor wusste. Was ich im Endeffekt zwar wundervoll finde, aber gleichzeitig auch traurig. In meiner Ehe konnte ich Sex selten komplett genießen, war immer darauf bedacht, alles “richtig“ zu machen. Dabei habe ich meine Bedürfnisse hinten angestellt und oft gedacht, es läge an mir, dass ich nicht komme.

 

Letztlich lag es auch an mir. Weil ich meine Lustpunkte entweder nicht kannte, oder mich nicht getraut habe, meinem damaligen Mann zu sagen, was er tun muss, damit ich komme. Ich war total auf eine Masturbationstechnik fixiert, die im Zusammenspiel absolut unpraktikabel war. Aber auf die Idee, mit ihm offen darüber zu sprechen und gemeinsam neue Wege zu beschreiten, bin ich nicht gekommen. Weil ich dachte, ich wäre “unnormal“ und ich derartige Gespräche unangenehm fand.

 

Heute weiß ich, dass mir der offene Umgang mit meiner Sexualität viel Kummer erspart hätte. Ich glaube heute nicht mehr, nicht “richtig“ zu funktionieren, sondern weiß, wie MEIN Körper funkioniert.

In der Gesellschaft wird leider viel zu wenig über die weibliche Selbstbefriedigung gesprochen. Während Männern ein buntes Potpourri an Bezeichnungen zu Verfügung steht – einen von der Palme wedeln, 5 gegen Willi, wichsen, um nur ein paar zu nennen – bleibt uns Frauen ein sehr unschön klingender Begriff: Masturbation. Das klingt so, als wäre mir ein sterbender Frosch in der Kehle stecken geblieben und trägt nicht unbedingt zu einem lockeren Gespräch bei, wenn man an dem Begriff schon fast scheitert beim Aussprechen dieses hart klingenden Ungetüms. Wir sollten unsere eigenen Begriffe dafür finden und locker und entspannt, auch humorvoll über dieses Thema sprechen können. Männer tun das doch auch. Warum nicht wir?

 

Nehmt euch Zeit für euch. Sprecht auch mal mit Freundinnen über Techniken. Oder tauscht euch auch anonym in Foren aus, wenn ihr euch nicht direkt traut. Testet ein paar Hilfsmittel (Gleitgel ist eine unbedingte Empfehlung, ob mit oder ohne Toy). Seid auf keinen Fall enttäuscht oder gar verunsichert, wenn ihr es mal nicht schafft, zu kommen. Das passiert auch mal bei der Selbstbefriedigung. Findet eure hot spots.

 

Und dann zeigt sie eurem Partner/eurer Partnerin. Das ist kein Vorwurf an sein/ihr Können. Es ist eine Bereicherung für euch. Wir dürfen nicht erwarten, dass andere unseren Körper richtig behandeln, wenn wir selber gar nicht wissen, wie er behandelt werden muss. Die Voraussetzung, dass mein Gegenüber rauszufinden hat, was mich geil macht, schlägt schnell in Frust um, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

 

Liebt euch selbst. Befreit euch von Vorstellungen, die ihr aus z.B. Pornos habt. Jede Frau ist anders. Finde deine Besonderheiten und genieße sie.

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