Safer Sex

Nachdem ich im vorherigen Beitrag den weiblichen Zyklus erklärt habe, möchte ich ein bisschen auf verschiedene Verhütungsmethoden eingehen. Dies ist in unserer Praxis ein alltägliches Thema und es werden immer wieder bestimmte Fragen zu bestimmten Verhütungsmethoden gestellt. Ein in letzter Zeit vermehrter Wunsch nach hormonfreier Verhütung ist insbesondere bei unseren jüngeren Patientinnen zu beobachten. Ein Grund dafür ist sicherlich die negative, mitunter reißerische Berichterstattung in den Medien. Aber auch ein vermehrtes Bewusstsein und der Wunsch zu mehr Natürlichkeit.

 

Vorab möchte ich hier deutlich betonen, dass ich nicht grundsätzlich eine Verhütungsmethode anpreise und für die allgemein beste Wahl halte. Die Wahl der passenden Verhütung ist so individuell, wie wir Menschen. Es gibt für jedes Verhütungsmittel Pro- und Contraargumente. Wo jede*r Prioritäten setzt, ist “Geschmackssache“. Ich möchte hier nur erläutern, welche Methoden es gibt und wie sie funktionieren. Auch werde ich kurz darauf eingehen, welche Ausschlusskriterien es evtl. für die eine oder andere Verhütungsmethode gibt.

 

Werfen wir vorab noch einmal einen Blick auf den weiblichen Zyklus:

Zusammengefasst heißt das: Durch den Einfluss verschiedener Hormone wird ein Ei gebildet, auf die Reise geschickt, Gebärmutterschleimhaut baut sich auf, Ei wird nicht befruchtet, Ei und Gebärmutterschleimhaut bluten ab, wir bekommen unsere Regel.

 

Das erste Verhütungsmittel, mit dem wir meist Kontakt haben, ist wohl das Kondom. Ein großes Pro für die Verwendung eines Kondoms ist ganz klar, dass es das einzige Verhütungsmittel ist, das nicht nur vor Schwangerschaften schützt, sondern uns auch vor unangenehmen Mitbringseln in Form von sexuell übertragbaren Krankheiten bewahrt. Diese sind leider tatsächlich wieder auf dem Vormarsch. Chlamydien, Feigwarzen und Co. sind noch die harmloseren Infektionen, die durch Sex übertragen werden können. HIV, Hepatitis und auch Syphilis sind keine ausgestorbenen Krankheiten. Dies sollten wir im Hinterkopf haben, bevor wir uns sorglos mit einem/r Fremden in den Federn wälzen. Vermutlich wäre es sinnvoll, auch in einer festen Partnerschaft zunächst einmal auf doppelt sicher zu setzen und mit Kondom und wahlweise einem weiteren Präparat zu verhüten. Bis geklärt ist, ob nicht doch unerwünschte Besucher an dem einen oder anderen haften.

Bei richtiger Handhabung und richtiger Größe – ja, es gibt Unterschiede, bitte überschätzt euch nicht, Jungs, XL passt leider nicht jedem Schwanz – bietet das Kondom einen ziemlich sicheren Verhütungsschutz. Pannen gibt es aber leider trotzdem immer mal wieder. Das Kondom rutscht ab oder reißt und dann habt ihr den Salat.

 

Mit dem Kondom hört die Palette an Verhütungsmitteln für Männer leider schon auf. Was aber nicht heißt, dass Verhütung ausschließlich Frauensache ist! Dies ist ein Thema, dass insbesondere in einer Beziehung m.E. nach besprochen werden sollte. Hier kann und sollte man die Verantwortung teilen. Sei es, dass die Kosten geteilt werden oder der/die Partner*in an die Einnahme erinnert.

 

Nach dem Kondom denken die meisten Frauen zunächst über die Pille nach. Hier gibt es zwei unterschiedliche Varianten:

– Kombinationspille mit zwei Hormonen (Östrogen und Gestagen)

– Minipille, Östrogen-frei

Viele Frauen “starten“ mit einer Kombinationspille. Immer wieder stelle ich fest, dass die Damen die Pille zwar einnehmen, das Wirkprinzip aber gar nicht verstanden haben. Daher zunächst einmal zwei Grafiken, die das “Wirkprinzip Pille“ veranschaulichen:

Hier sieht man sehr deutlich, welchen enormen Einfluss die Pille auf unseren Zyklus hat. Um es mal ganz banal auszudrücken: Die Pille schaltet unseren Zyklus aus. Es wird weder ein Ei produziert, noch baut sich die Gebärmutterschleimhaut hoch genug auf, um einem Ei Platz zu bieten. Die Menstruation, die wir unter Einnahme der Pille haben ist KEINE Zyklusblutung, sondern eine Abbruch- bzw. Hormonentzugsblutung. Insbesondere unter der Minipille ist sogar häufig so, dass gar keine oder nur noch minimale Blutungen stattfinden.

 

Neben der Pille gibt es weitere Methoden, die auf demselben Wirkprinzip basieren

– Verhütungsring, wird vaginal eingeführt und liegt 3 Wochen, dann wird 1 Woche pausiert, bevor ein neuer Ring eingesetzt wird.

– Verhütungsstäbchen (ein unter die Haut implantiertes Wirkstoffdepot, liegt 5 Jahre)

– Verhütungspflaster (Wirkstoffdepot wird auf die Haut geklebt)

– 3-Monatsspritze (Wirkstoff wird vom Gynäkologen in den Muskel gespritzt)

All diese Methoden nutzen relativ hohe Dosen von Östrogen und/oder Gestagen, um den Zyklus zu unterdrücken. Hier liegt die Betonung auf dem Wörtchen relativ! Im Vgl zu der 1. Generation Pille, die damals auf den Markt kam, sind wir heute bei der niedrigst möglichen Dosis angekommen, die erforderlich ist, um auf diese Weise zu verhüten. Die ersten Pillen hatten noch die doppelte Dosis Östrogen.

Egal, ob das Präparat geschluckt, gespritzt, implantiert, eingeführt oder auf die Haut geklebt wird, die Wirkweise ist identisch. Hier spielt letztlich nur eine Rolle, welche Methode für welche Frau im Alltag am praktischsten ist. Wer ständig vergisst, die Pille einzunehmen, sollte z.B. eher einen Verhütungsring nutzen, der nur einmal alle 3 bzw. 4 Wochen ersetzt werden muss.

Grundsätzlich wird heute von Varianten wie der Spritze oder auch dem Implantat eher abgeraten. Bei der Spritze hat sich gezeigt, dass sie – über Jahre angewendet – Knochenschwund verursachen. Das Implantat ist halt ein kleiner chirurgischer Eingriff. Es entstehen Narben, es gibt ein – wenn auch minimales – Entzündungsrisiko. Zudem muss es wieder entfernt werden, wenn sich herausstellt, dass bis dahin unbekannte Blutungsstörungen vorliegen. Dann ist viel Geld zum Fenster raus.

 

Ein in der Vergangenheit eher negativ besetztes Verhütungsmittel ist die Spirale, inzwischen in “Verhütungsschirmchen“ umgetauft. Dies dient aber tatsächlich nur dem Zweck, vom Image der Spirale wegzukommen, der viele Damen erstmal ablehnend gegenüberstehen.

Es gibt zwei unterschiedliche Varianten, die nochmal in ihrer Art leichte Unterschiede besitzen:

– Hormonspirale, grundsätzlich Östrogen-frei, unterschiedliche Gestagen-Dosis, Liegedauer 3-5 Jahre

– Hormonfreie Spirale, Kupfer- oder Gold-Kupferlegierung, auch in den Varianten Kupferkette oder Kupferball, auch hier Liegedauer 3-5 Jahre

Ich möchte zunächst auf die Hormonspirale eingehen. Auch hierzu eine kleine Grafik:

Hier erkennt man schon deutlich den Unterschied zur Wirkweise der Pille. Zum Einsatz kommt – wie bei der Minipille – nur das Hormon Gestagen. Allerdings in einer sehr viel niedrigeren Dosierung. Von den Wörtchen “lokale Wirkweise“ in der Grafik darf man sich übrigens nicht irreführen lassen. Das Hormon ist im kompletten Kreislauf nachweisbar. Der Ausdruck soll nur verdeutlichen, dass der Körper nicht mit hohen Dosen von Hormonen “geflutet“ wird, sondern sehr begrenzt eingesetzt wird.

Unter der Hormonspirale bleibt der natürliche Zyklus im Grunde komplett erhalten. Im Gegensatz zur Pille wird unter der Spirale ein Ei gebildet und auf die Reise geschickt. Zwei wesentliche Komponente verhindern dennoch zuverlässig die Befruchtung.

1. Der Schleimpropf im Gebärmutterhals bleibt fest und undurchlässig. Spermien wird also der Weg versperrt.

2. Die Gebärmutterschleimhaut baut sich nicht hoch auf, sondern wird permanent “umgewandelt“.

Es entsteht also kein Nest für das Ei. Selbst wenn eine besonders hartnäckige Spermie die Schleimpropfbarriere überwindet, zufällig das Ei findet und sich paart… kein Platz da, um sich einzunisten. Das ggf. befruchtete Ei wandert mit der Blutung ab.

Unter der Hormonspirale – je nach Art – sind schwächere bis hin zu gar keiner Blutung zu erwarten. Es gibt sogar explizit eine Hormonspirale, die für Frauen mit extrem starken Blutungen und Schmerzen während der Menstruation entwickelt wurde. Unter dieser Spirale stellt sich die Regelblutung binnen eines Jahres oft komplett ein. Dennoch ist der Zyklus weiterhin “intakt“.

 

Die Grafik für nicht-hormonelle Spiralen ist letztlich identisch mit der des natürlichen Zyklus:

Ihr seht, mit dieser Verhütungsmethode wird überhaupt nicht in den natürlichen Zyklus eingegriffen. Das Wirkprinzip dieser Spirale ist folgende:

– Kupfer-Ionen beeinträchtigen die Mobilität eindringender Spermien. Sie sind langsamer oder sterben komplett ab.

– Die Gebärmutterschleimhaut unterliegt aufgrund der Kupfer-Ionen einer dauerhaften Entzündungsreaktion, die das Einnisten eines Eis verhindert.

– Sollte ein widerstandsfähiges Spermium auf ein Ei treffen, wird dieses durch den Einfluss der Kupfer-Ionen abgetötet bzw. an der Einnistung gehindert.

 

Soweit zu den gängigen und vor allem sicheren Verhütungsmethoden. Natürlich gibt es auch noch das Diaphragma sowie chemische Zäpfchen und Gels als nicht nicht-hormonelle Verhütungsmethoden oder auch das sogenannte NFP, bei dem die Frau durch z.B. Temperaturmessung ihren Zyklus beobachtet und so ihre fruchtbaren Tage bestimmt. Diaphragma und NFP benötigen einiges an Kenntnissen, Geschick und Zeit, um mit diesen Methoden sicher zu verhüten. Hier sollte ein ausführliches Beratungsgespräch erfolgen, bevor ihr euch da ran gebt. Chemische Verhütung gilt als überholt und sehr unsicher.

 

Abschließend möchte ich noch ein paar Risiko- bzw. Ausschlusskriterien für die vorgestellten Verhütungsmethoden nennen.

Hormonelle Verhütungsmethoden mit 2 Hormonen (also die Kombinationspille) schließen sich bei Gerinnungsstörungen (z.B. Thromboseneigung) generell aus. Hier könnte nur eine Mini-Pille oder ein anderes Verhütungsmittel, das nur mit Gestagen arbeitet (Hormonspirale) eingesetzt werden. Auch Migräne (mit Aura) verbietet Hormone zur Verhütung, in diesem Fall auch den Einsatz von Gestagen im Einzelfall.

Ab 35 Jahren, bei Raucherinnen und Adipositas ist eine Kombinationspille nicht angeraten.

Wir raten sehr jungen Frauen und Frauen, die noch nicht entbunden, aber generell Kinderwunsch haben, nicht unbedingt zu einer Kupferspirale. Häufig ist diese Methode mit stärkeren Blutungen und schmerzhafter Menstruation einhergehend. Zudem können eindringende Bakterien die bereits vorhandene Entzündung in der Gebärmutterschleimhaut “eskalieren“ lassen, was evtl. späteren Kinderwunsch nachhaltig erschweren könnte. Ein weiterer Punkt ist, dass nicht selten die Gebärmutter einfach zu klein ist bei Frauen, die noch keine Kinder haben. Ich habe ein Kind und selbst bei mir passt schlicht nicht jede Spirale. Meine Gebärmutter ist zu klein für manche Varianten.

Es gibt aber auch durchaus (junge) Frauen, die beschwerdefrei mit einer Kupferspirale verhüten.

 

Wie immer gilt: Habt ihr noch Fragen, schreibt mich an. Das Thema ist sehr komplex und ich habe mich bemüht, nur die wesentlichen Punkte zu erläutern. Ich hoffe, dies ist mir verständlich und anschaulich gelungen. Und natürlich ist ein Beratungsgespräch mit eurem*r Gynäkologen*in sinnvoll bzw. notwendig. Aber vllt. könnt ihr jetzt schon mit ein bisschen Hintergrundwissen gezielter Fragen stellen und so einfacher das passende Verhütungsmittel finden.

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